„Aber es lässt sich noch ertragen (Rudi)" schrieb Rudolf Lothar Bettaque am 4. Mai 1916 in der Feldpostkarte an seine Ehefrau in Hamburg, starb jedoch drei Tage später am 7. Mai 1916 mitten im Ersten Weltkrieg im Alter von 26 Jahren. Der gefallene Soldat kämpfte in der Schlacht von Gallipoli (1915/16) beim Torpedo-Sonderkommando. Die Schülerin Sema Inanc entdeckte nach ihrer Forschungsarbeit den noch in Reinbek bei Hamburg lebenden Neffen des gefallenen Soldaten Prof. Dr. Rolf Bettaque (Jg. 1922). Am 20.12.2011 besuchte Herr Bettaque - Professor für Verfahrenstechnik und Wasserversorgung - unsere Gesamtschule und nahm in Anwesenheit der Friedensprojektpartner und der Bürgermeisterin Frau Preuß an der Pressekonferenz teil. Er wunderte sich über das historische Interesse der Schülerinnen und Schüler für den Ersten Weltkrieg. Das Friedensprojekt Istanbul ist eine inhaltliche Erweiterung des seit 13 Jahren an unserer Schule existierenden Friedensprojekts Ypern, welches von dem Lehrerkollegen Detlev Kmuche koordiniert wird (vgl. Schulpartnerschaft mit Technisch Instituut Heilige Familie in Ypern). Das Projekt wurde vor drei Jahren mit einem Geschichtsworkshop unter der Leitung der Lehrerkollegin Petra Stach insofern intensiviert, als dass Schülerinnen und Schüler der Oberstufe in dieser Geschichtswerkstatt anhand der Gräberliste nach Verwandten der gefallen Soldaten des Ersten Weltkriegs auf Soldatenfriedhöfen in Ypern [Belgien] suchen und die Verwandten identifizieren. Die geschichtlich-inhaltliche Notwendigkeit dieser Erweiterung des Projekts liegt darin begründete, dass das Deutsche Kaiserreich und das Osmanische Reich während des Ersten Weltkriegs „Waffenbrüder" waren und seit 1916 auf dem Gelände der Sommerresidenz des deutschen Botschafters, welches 1880 von dem Sultan Abdulhamid II. eine Schenkung an das Kaiserreich war, ein deutscher Soldatenfriedhof (zuerst: Ehrenfriedhof der Marine) existiert. Mit dem Friedensprojekt Istanbul soll die gemeinsame historische Begebenheit beider Kulturen in Istanbul entdeckt und die Einzelschicksale der gefallenen Soldaten auf diesem Friedhof in Tarabya/Istanbul recherchiert werden. Daher besteht das Friedensprojekt aus der
1) Geschichtswerkstatt, bei der Schülerinnen und Schüler des 11. Jg. freiwillig anhand der Gräberliste, die sie vom Volksbund für Kriegsgräberfürsorge bekommen haben, nach Verwandten suchen. Diese wissenschaftlich-historische Arbeit der Schülerinnen und Schüler ist angeknüpft an die
2) Studienfahrt nach Istanbul: Im Rahmen der langjährigen Partnerschaft Gelsenkirchen/Büyükcekmece haben die Vertreter der Partnerstädte den Schüleraustausch zwischen der Gesamtschule Berger Feld und dem Mimar Sinan Anadolu Lisesi in Büyükcekmece im Dezember 2006 mit einer tatkräftigen Unterstützung des türkisch-deutschen Fördervereins vertraglich festgehalten. Bei diesem kulturellen Austausch mit der Partnerschule sollen die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit erhalten, sich mit der türkischen Kultur im Lande auseinanderzusetzen. Indem sie bei Gastfamilien wohnen, bekommen sie einen besonderen Einblick in fremde Lebensgewohnheiten und -umstände. Auch für das Jahr 2012 ist ein Besuch der türkischen Schulpartner in Büyükcekmece vom 25. April bis zum 30. April geplant. Im Rahmen dieses schulpartnerschaftlichen Austauschs bildet der deutsche Soldatenfriedhof in Tarabya eine Besonderheit bei der Suche nach der gemeinsamen deutsch-türkischen Geschichte.
Bei der Fahrt nach Istanbul wird in Anwesenheit der Teilnehmer und Projektpartner (Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer der Gesamtschule Berger Feld und der Partnerschule Mimar Sinan Anadolu Lisesi, Vertreter vom Förderverein der Städtepartnerschaft Gelsenkirchen und Büyükcekmece/IST, Geschäftsführer Bünyamin Aslan vom Volksbund für Kriegsgräberfürsorge-Bezirksverband Münster, der Neffe des gefallenen Soldaten Prof. Dr. Bettaque aus Hamburg und Vertreter des Deutschen Generalkonsulats in Istanbul) eine Gedenkfeier auf dem Soldatenfriedhof zelebriert. Dabei werden Schülerinnen und Schüler beider Schulen den Rahmen dieses Gedenkens durchführen. Diese Erweiterung des Friedensprojekts angelehnt an die schulpartnerschaftliche Zusammenarbeit in Istanbul profitiert von der jahrelangen Arbeit des Friedensprojekts Ypern und der Geschichtswerkstatt. Den Erfolg genießt das Friedensprojekt Ypern/Istanbul vor allem aufgrund der Objektivität der wissenschaftlichen Herangehensweise an die historische Thematik und der Internationalität, bei der unabhängig vom nationalen Hintergrund der SchülerInnen Friedensarbeit geleistet wird.