Gedenkstättenfahrt 2017 - Esterwegen und Bergen-Belsen 

Unter diesem Motto besuchten der Leistungskurs Geschichte, wie auch der Projektkurs Geschichte, begleitet durch die Lehrkräfte Frau Otto, Herr Bongers und Herrn Hoffmann vom 01.12.2017 bis zum 02.12.2017 die Gedenkstätten der ehemaligen Konzentrationslager in Esterwegen und Bergen-Belsen. Organisiert von Herrn Bongers und durch Referate des Projektkurses eingestimmt erreichte der Bus am frühen Freitagmorgen die Gedenkstätte Esterwegen.

Vom Eingang der Gedenkstätte Esterwegen blickt man direkt aufs Moor

ESTERWEGEN

Dort wurden wir von Herrn Ausländer zunächst in die Geschichte des Konzentrationslagers und der Gedenkstätte Esterwegen eingeführt, bevor sich die Gruppe in zwei Teile teilte um bei Herrn Ausländer und Frau Stölpe an Workshops teilzunehmen.

Bevor es in die Workshops und auf das Gelände geht, folgen die Schülerinnen und Schüler gespannt den Ausführungen von Herrn Ausländer

Die Geschichte des Moorsoldatenliedes wurde, gestützt durch Quellen, gemeinsam von den Schüler*innen und Herrn Ausländer erarbeitet. Der andere Workshop beschäftigte sich mit Produkten der Lagerinsassen. Fraglie Rosenkränze, persönlich gewidmete Bastkästchen und wundervoll verzierte Brotdosen waren Zeugnisse des Umgangs der Gefangenen mit ihrem schwierigen Alltag im Lager.
Im Anschluss an die Präsentationen der Ergebnisse und nach dem Mittagessen wurde die Gruppe über das Außengelände geführt. Die Nutzung des Geländes durch die Bundeswehr nach 1945 zerstörte fast alle Spuren. Es waren nur noch Bruchstücke des originalen Lagers zu sehen. Weder Gebäude, noch Mauern oder Zäune blieben erhalten. Die Lagerstraße, mit blutigen Händen von den Lagerinsassen angelegt, wurde überbaut.

Der ehemalige Eingang in das KZ Esterwegen ist symbolisch nachgebildet worden. Der enge Spalt zwischen den rostenden Metallplatten steht für die Erniedrigung, die die Gefangenen durch die Wachmannschaften direkt nach ihrer Ankunft erfahren haben. Im Vordergrund sieht man unter anderem den Erinnerungsort für Carl von Ossietzky, Widerstandskämpfer und Nobelpreisträger.

Der Gedenkstätte Esterwegen und ihren Mitarbeiter*innen gelingt es, trotz all dieser Widrigkeiten, eindrucksvoll die Struktur des ehemaligen Lagers nachzuzeichnen. Baumgruppen markieren die Standorte der ehemaligen Baracken und weisen ihre Position im Gelände aus. Stahlwände an ausgewählten Stellen zeichnen der Verlauf der ehemaligen Lagerumwandung nach. Nach diesen Erläuterungen ist auch keiner der Teilnehmenden enttäuscht, verfallene Baracken oder wiederaufgebaute Zäune und Mauern eben nicht mehr zu sehen. Der Fokus liegt klar auf dem Erinnern und der Arbeit mit der Geschichte. Das gelingt durch die Aufbereitung des vorhandenen Materials ausnehmend gut.
Ein Foto am Ende des Besuchs soll die ertragreiche Fahrt mit bleibenden Eindrücken abschließen.

Erinnerungsfoto an unseren Besuch und die geleistete Arbeit

Die Weiterfahrt nach Hannover, zur Übernachtung in der Jugendherberge, bot Gelegenheit zum Austausch. Durch die Schüler*innen wurde die Arbeit in den Workshops als besonders wichtig empfunden. Es ist immer etwas anderes, die Geschichte eines Ortes vor Ort zu erleben, als sie im Unterricht zu bearbeiten. Aber auch das Gelände selbst und die besondere Geschichte des Ortes als erstem Konzentrationslager, bleiben im Gedächtnis.

BERGEN-BELSEN
Am 2.12. führte die Weiterfahrt durch Hannover Richtung Bergen-Belsen, vorbei an massiven Polizeiaufgeboten, die den AFD-Parteitag schützen sollten. Dies führte allen Teilnehmenden dann auch vor Augen, warum es heute immer noch wichtig ist, sich mit der Geschichte der Verfolgung und Ausgrenzung von Bevölkerungsteilen durch den Nationalsozialismus auseinanderzusetzen.

Die Dimensionen der Gedenkstätte und des ehemaligen Lagergeländes Bergen-Belsen sind andere.
Schien in Esterwegen die Sonne früh morgentlich durch die Bäume und zeichnete ein beinahe verklärtes Bild, drang die Kälte in Bergen-Belsen bis auf die Knochen. Der Nieselregen trug dazu bei, eine Stimmung zu erzeugen, die irgendwie das Gefühl vermittelte, als solle es so sein, dass das Wetter die Stimmung, wie sie ein solcher Ort sowieso erzeugt, noch weiter drückt.

An der ehemaligen Rampe des Konzentrationslagers Bergen-Belsen folgten die Schülerinnen und Schüler den Ausführungen von Herrn Bongers.
Die vielen kleinen Steine sind gelebte Erinnerungskultur

Im Gebäude selbst, preisgekrönt für seine Architektur, war es warm und in den Tagungsräumen sogar fast gemütlich. Der Kontrast zum Wetter hinter den Fenstern hätte größer nicht sein können.

Von den Teamern freundlich aufgenommen arbeiteten die Exkursionsteilnehmer*innen in Bergen-Belsen in zwei Workshops zu den Themen „Kinder und Jugendliche im KZ“ und „Wahrnehmung durch die Bevölkerung“.
Unser Zwischenstopp an der ehemaligen Rampe des Lagers zeigte deutlich, dass die Bevölkerung das Lager und das Leid der Menschen im Lager wahrnehmen konnte. Nur eine kleine Baumreihe trennt die Bundesstraße vom Lagergelände. Heute wird die überbaute Rampe von der Bundeswehr genutzt und ist Sperrgebiet. Ein kleiner Gedenkort zeigt in einem Viehwaggon den Platz, den die sechzig Menschen während des Transports hatten. Es war nicht viel.

Beide Workshops beinhalteten Erkundungen des Geländes und ermöglichten so, die wechselnde Nutzung des Lagers, wie auch die wachsende Struktur nachzuvollziehen. Ein Besuch des symbolischen Grabmahls von Anne Frank zeigt auch heute noch die Anteilnahme der verschiedenen Besuchergruppen des Lagers. Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und sogenannte „Austauschjuden“ werden an verschiedenen Stellen auf dem Gelände durch Orte des Gedenkens geehrt. Die wechselvolle Geschichte ist dabei stets nachvollziehbar aufgearbeitet und jederzeit präsent.

Vortrag zur Gestaltung des Lagers Bergen-Belsen

Nach dem Mittagessen arbeiteten die Gruppen in der Ausstellung selbst. In Räumlichkeiten, die sich zu keinem Zeitpunkt in den Vordergrund drängen konnten beide Kurse anhand einer umfangreichen Sammlung von Tagebüchern, Augenzeugenberichten, Häftlingzeichnungen und Gegenständen aus dem Besitz der Häftlinge vor allem die Perspektive der Opfer erarbeiten und nachvollziehen.
Die installierten Medienstationen ermöglichten es zudem, Zeitzeugenberichte der Überlebenden anzusehen. Dabei konnte auch die Geschichte der „Displaced Persons“ in Bergen-Belsen erarbeitet werden.

Die Schülerinnen und Schüler gehen von den Workshops quer über den Eingangsbereich der Gedenkstätte Bergen-Belsen in die Ausstellung

Im Anschluss an die Abschiedsrunde ging es schweigsam Richtung Bus. Beladen mit vielen Eindrücken und neuem Wissen, aber auch müde von den zwei Tagen harter Arbeit, mussten die gesammelten und teilweise belastenden Eindrücke zunächst verarbeitet werden und konnten erst durch individuelle Gespräche im Bus erneut aufgegriffen werden.
Die Fahrt war ein Pilotprojekt. Die Verbindung der zwei ehemaligen Konzentrationslager und der Erinnerungsarbeit in den Gedenkstätten sollte auf ihren Ertrag geprüft werden, damit entschieden werden kann, ob die Gedenkstättenfahrt in Zukunft in jedem Jahr stattfindet.

Alle Beteiligten sind sich einig, dass der Besuch von außerschulischen Lernorten, insbesondere aber, dass genau dieses Konzept und die auf wenige Themen konzentrierte Arbeit zur Erinnerungskultur in diesen beiden Gedenkstätten zum Obligatorium für kommende Jahrgänge werden sollte, da diese von der gebotenen Ergänzung zu den Unterrichtinhalten nur profitieren können.

Patrick Hoffmann


Projekttag Esterwegen 2015 – eine Zeitreise in die deutsche Geschichte


Am 29.09.2015 reisten wir von der Gesamtschule Berger Feld mit den Grundkursen der Q2 nach Esterwegen im Emsland, wo uns ein Tag in der Gedenkstätte des ehemaligen KZ erwartete. Zunächst wurden wir von den Gruppenleitern, Frau Mithöfer und Herr Ausländer, freundlich empfangen., mit den wir dann den gesamten Tag in zwei Gruppen verbrachten.


Nach näheren Informationen zum Ablauf des Tages und zur Gedenkstätte, bekamen wir zum näheren Verständnis der Situation der Gefangenen im KZ alle ein Aufgabenblatt über jeweils unterschiedliche Personen, zu deren beispielhafte Biografie und ihren Leidensweg wir in der Dauerausstellung arbeiteten. Nach dem Mittagessen, bei denen sich einige Mitschüler bereits eifrig über die gemachten Eindrücke austauschten, guckten wir als Einstieg in die darauf folgende Gruppenarbeit zusammen einen Film über die weitgehend verdrängenden Reaktionen der Einwohner Esterwegens zum KZ in den 1960er Jahren.

Danach beschäftigte sich eine Gruppe mit eben dem Umgang mit dem KZ nach 1945, eine weitere Gruppe behandelte das „Moorsoldatenlied“ und die dritte Gruppe erkundete das Außengelände, welches auf zum Teil abstrakte Weise das ehemalige KZ nachstellt. Nach einiger Bearbeitungszeit fanden wir uns im Plenum zusammen und trugen die jeweiligen Arbeitsergebnisse vor. Schließlich erläuterte die Expertengruppe zum Außengelände das dort umgesetzte Konzept der Gedenkstätte. Gehölzgruppen stellen dort heute die Standorte und Größe der ehemaligen Baracken dar, während der Untergrund im Gefangenenbereich durch Lavagestein gebildet wird. Der ehemalige Aufseherbereich ist durch Rasenflächen und lockere Baumgruppen gestaltet. Das gesamte Lagergelände ist von mächtigen Eisenwänden mit einem riesigen Eingangsportal umgeben.


Zum Schluss besuchten wir noch das benachbarte Kloster Esterwegen, in welchem wir in einer interreligiösen Andacht einen ruhigen Abschluss fanden, den Tag Revue passieren lassen konnten der Opfer der NS-Zeit gedachten.

Alles zusammen war es ein spannender Tag, allerdings recht lang. Wir würden die Gedenkstätte Esterwegen weiter empfehlen mit der Verbesserung, das Programm auf zwei Tage aufzuteilen, um dort noch intensiver arbeiten zu können. Außerdem haben wir die Anregung, als Weiterführung auch ein weiteres KZ zu besuchen, z.B. Auschwitz, in dem die Atmosphäre der damaligen Zeit noch näher zu spüren ist, wie die bedrückenden Gefühle von Hunger und Tod, und somit eine stärkere emotionale Vermittlung der Geschehnisse entstehen kann.

Wir bedanken uns beim Aktuellen Forum, den Mitarbeitern der Gedenkstätte und bei unseren Lehrern für die Organisation des Projekttages, außerdem bei der Volksbank Ruhr-Mitte eG für die großzügige finanzielle Unterstützung.

Simone Matusek und Alina Todzi