Gesamtschule Berger Feld verfolgt Spuren Gelsenkirchener Kriegstoter in Lettland


Gelsenkirchen-Riga. Im Rahmen des Projektkurses Geschichte, der Teil des Friedensprojektes der Gesamtschule Berger Feld in Gelsenkirchen ist, engagieren sich Schülerinnen und Schüler im Bereich Erinnerungskultur.
Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Recherche von Soldatenschicksalen aus beiden Weltkriegen, sowie der Erarbeitung der Geschichte der Deportation Gelsenkirchener Juden. Beide inhaltlichen Schwerpunkte stellen dabei ein Bindeglied zwischen Gelsenkirchen und der lettischen Hauptstadt Riga dar. Die Schicksale von Soldaten beider Weltkriege lassen sich bis zu den Gräberfeldern und Friedhöfen in Riga genauso verfolgen, wie die Schicksale vieler deportierter Juden aus dem Ruhrgebiet. Dies war Anlass der Gedenkstättenfahrt des Projektkurses Geschichte nach Riga.

Begleitet wurden die umfangreichen Vorbereitungen, wie auch die Fahrt selbst, durch die Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., der Stiftung Gedenken und Frieden, die diese Fahrt großzügig und dankenswerterweise finanziell unterstützte, sowie durch die fachliche und personelle Unterstützung hier und vor Ort durch das Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen. Die aufwändige Recherchearbeit zu zwei Gelsenkirchener Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg fand mit dem Besuch der Gedenkstätte des Rigaer Waldfriedhofes, welcher durch den Volksbund errichtet wurde, ihren Abschluss. Eine Gedenkrede, die von den Schülerinnen und Schülern des Projektkurses selbst verfasst und vorgetragen wurde, erinnerte an die Gefallenen Anton Epping und Franz Scharmach. Mit einer Kranzniederlegung im Gedenken an den Bruder einer Gelsenkirchenerin, welcher auf dem Waldfriedhof im Zweiten Weltkrieg beerdigt wurde, endete der Besuch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projektkurses. Durch eine Pressemitteilung war sie auf die Gedenkstättenfahrt des Kurses aufmerksam geworden und hatte den Leiter des Projektkurses, Herrn Patrick Hoffmann, um diesen persönlichen Gefallen gebeten. Gedacht wurde des Bruders der Frau, nicht des Soldaten; auch dies ist ein Symbol einer Friedensarbeit, die Versöhnung mit der Vergangenheit und zwischen allen Beteiligten herstellen soll.

Begleitet wurde der Kurs von Frau Helena Schneppendahl, die gemeinsam mit Herrn Hoffmann die Arbeit im Kurs begleitet, Herrn Jochen Herrmann, dem stellvertretenden Schulleiter der Gesamtschule Berger Feld als Repräsentanten der Schulleitung und Frau Jennifer Horstmann als fachkundige Expertin des Instituts für Stadtgeschichte aus Gelsenkirchen.

Neben der Gedenkstätte auf dem Waldfriedhof besuchte der Kurs auch die Ruinen der ehemaligen Synagoge, sowie die sowjetische Gedenkstätte am ehemaligen Konzentrationslager Salaspils und das verfallene Lager Jungfernhof am Rande Rigas. Für die jüdischen Deportierten und Umgekommenen legten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkstättenfahrt in Bikernieki, der vom Volksbund errichteten Gedenkstätte, Steine nieder. Mit dieser alten jüdischen Tradition verliehen die Schülerinnen und Schüler ihrem Gedenken vor Ort stillen Ausdruck.

In den kommenden Jahren wird der Projektkurs seine Arbeit weiterführen und die Verbindungen, die zwischen Gelsenkirchen und Riga in der Vergangenheit bestanden, weiter erforschen und mit seiner Erinnerungsarbeit neue Verbindungen für die Zukunft schaffen. Auch dabei wird die Gesamtschule Berger Feld dankenswerterweise auf die Kooperation mit ihren Bildungspartnern, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, mit dessen Stiftung Gedenken und Frieden, sowie dem Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen zurückgreifen können.

Obwohl die Schülerinnen und Schüler diese Reise vor einem ernsten Hintergrund antreten, freuen sie sich auf die neue Erfahrung. Die unbekannte Stadt, in der noch keiner der Beteiligten gewesen ist, reizt genauso, wie die Erfüllung des eigenen Anspruchs, Forschungs- und Recherchearbeit von mehreren Monaten zum vorläufigen Abschluss bringen zu können. Ganz besonders stolz sind die Schülerinnen und Schüler darauf, die Verbindung ihrer Heimatstadt Gelsenkirchen mit der lettischen Hauptstadt kennengelernt zu haben.

WAZ vom 30.03.2017

"Auf der Spur Gelsenkirchener Kriegsopfer in Riga"

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