Der Projektkurs Geschichte der Sekundarstufe II


Inhaltliche Gestaltung und Schwerpunktsetzung

Der Projektkurs Geschichte ist Teil des Friedensprojektes der Gesamtschule Berger Feld, das im Schulprogramm verankert ist. Im Rahmen dieses Projektes tragen die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 (Q2) zur Friedensarbeit an unserer Schule bei.
Klar im Fokus steht die Erinnerungsarbeit des Projektkurses Geschichte, der die Verbindungen zwischen Gelsenkirchen und der lettischen Hauptstadt Riga nachspürt. Die Untersuchungen von Verbindungen der beiden Städte Riga und Gelsenkirchen während des Zweiten Weltkrieges steht hierbei im Vordergrund. Die Schicksale der deportierten und ermordeten Juden werden nachverfolgt und wissenschaftspropädeutisch aufgearbeitet. Die Erarbeitung historischen Wissens in Kooperation mit dem Bildungspartner, dem Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen, und der angegliederten NS-Dokumentationsstätte in Gelsenkirchen-Erle sind dabei ein wesentlicher Baustein der Arbeit um das Hintergrundwissen zu generieren, welches die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Arbeit benötigen.
Die SchülerIinnen erarbeiten im Vorfeld die Exkursion inhaltlich, indem sie Schicksale von Soldaten, welche im Ersten Weltkrieg in Lettland gefallen sind, biographisch aufarbeiten und eine Gedenkrede an den Gedenkorten in Riga halten um Position für den Frieden zu beziehen. Des Weiteren werden die einzelnen Stationen, welche die beiden Städte in der Zeit der NS-Diktatur verbunden haben, inhaltlich aufbereitet, so dass Präsentationen einzelner Projekte zu historischen Stätten in Riga durch die TeilnehmerIinnen des Projektkurses gehalten werden.
Einen weiteren Baustein bildet die Exkursion zu den Gedenkstätten Esterwegen und Bergen-Belsen. Hier werden die Schwerpunkte, die die Erinnerungsarbeit des Projektkurses in Riga mit Konzentration auf die Deportation und Ermordung von Juden während des Zweiten Weltkriegs bestimmen, durch wesentliche Aspekte ergänzt, so dass ein umfassendes Bild der NS-Vergangenheit durch die Teilnehmer*innen des Projektkurses erarbeitet werden kann.

In Esterwegen und Bergen-Belsen werden dazu verschiedene Schwerpunkte behandelt, wie die Verfolgung politischer Gegner in der Anfangszeit des Nationalsozialismus oder die Wahrnehmung der Konzentrationslager durch die Öffentlichkeit. Da diese Punkte mit den Gedenkstätten als Partnern der Bildungsarbeit variabel abzusprechen sind, können Schwerpunkte in diesem Bereich je nach bearbeiteten Aspekten im Projektkurs gesetzt werden. Die TeilnehmerIinnen des Projektkurses leiten dabei die Fahrt, welche gemeinsam mit einem Geschichtskurs des dreizehnten Jahrgangs unternommen wird, durch einführende Referate ein und begleiten die SchülerIinnen als Experten.

IN ZUKUNFT
Für die Zukunft wird eine Bildungspartnerschaft mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge vorbereitet. Die Kooperation mit dem Volksbund hat sich über die fünf Jahre, die dieser Projektkurs besteht immer wieder als erfolgreich erwiesen. So wurde der Projektkurs bei Recherchearbeiten unterstützt, konnte aber auch im Rahmen von Ausstellungseröffnungen von der Kooperation profitieren. Zudem wurde der Projektkurs, gemeinsam mit den Vertreter*innen des Friedensprojektes nach Berlin eingeladen um an der Gedenkveranstaltung anlässlich des 9. Novembers teilzunehmen. Um diese Tradition aufrecht zu erhalten und sich an der Erinnerungskultur in der Heimatstadt Gelsenkirchen zu beteiligen, besucht der Projektkurs nunmehr seit drei Jahren die Gedenkveranstaltung zum 9. November.

Gemeinsam mit dem Institut für Stadtgeschichte ist zudem die Gestaltung einer Biparcours-App in Vorbereitung, die, gestützt durch Handys oder Tablets, durch die Ausstellung in der Dokustätte führt. Es besteht bereits ein anderer Rundgang in dieser App, der einzelne historische Orte der Stadt Gelsenkirchen abdeckt und von Interessierten genutzt werden kann. In Riga plant der Projektkurs, gemeinsam mit dem Volksbund und dem Institut für Stadtgeschichte, die Aufarbeitung der Ruinen des KZ-Jungfernhof als Gedenkstätte. Dazu werden Kontakte mit der Universität in Riga geknüpft werden, welche die gemeinsame Arbeit bei diesem Projektbaustein begleiten sollen.

UMSETZUNG DER MINISTERIALEN VORGABEN 
Projektkurse fördern die individuellen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Auch um die Vorgaben des Schulministeriums zu erfüllen, werden die Schülerinnen und Schüler bei der Entwicklung von Kompetenzen unterstützt, die für die wissenschaftspropädeutische Ausbildung wesentlich sind. Dazu zählen selbstständiges, strukturiertes und kooperatives Arbeiten, wie auch die Erweiterung der eigenen Darstellungskompetenz. Die Vorgabe der projektorientierten Anlage des Unterrichts wird durch die individuelle Vergabe von Themen erfüllt. Diese haben eine zeitliche Begrenzung, oder erstrecken sich als Großprojekte über mehrere Schuljahre. Dabei werden immer wieder außerschulische Lernorte einbezogen, wie das Institut für Stadtgeschichte, aber auch die verschiedenen historischen Orte in der Stadt Gelsenkirchen oder in Riga.

LEISTUNGSBEURTEILUNG
Neben der sonstigen Mitarbeit wird auch die Projektdokumentation beurteilt. Dabei wird im ersten Halbjahr nur die Belegung des Kurses ausgewiesen. Zum Ende des Projektkurses werden die beiden Noten der sonstigen Mitarbeit mit der Bewertung der Projektdokumentation verrechnet. Die Schülerinnen und Schüler des Projektkurses dokumentieren dabei ihre Leistungen und Arbeiten kontinuierlich in Form eines Portfolios, welches zur Leistungsbewertung eingesetzt wird. Hierbei bleibt die wissenschaftliche Arbeit, wie sie bislang in den Projektarbeiten umgesetzt wurde unberührt. Allerdings eröffnen sich neue Möglichkeiten der Leistungsbewertung. So lassen sich kontinuierlich Dialoge über die Leistung der Schülerin/ des Schülers führen, in denen eine fortlaufende Rückmeldung sowohl über die erbrachte Leistung, als auch über die Dokumentation, die Selbstständigkeit bei der Arbeit, wie auch die Struktur der Arbeit möglich ist. Zudem ist gewährleistet, dass der Abiturjahrgang, im verkürzten Abschlussjahr, im Projektkurs ein effektiveres Zeitmanagement hat, welches der Arbeit an den einzelnen Projekten zugutekommt.