Volkstrauertag 2019 - am Ehrenmal

Am 17. November hielten Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen eine Rede zum Volkstrauertag.
Einer Einladung des Volksbundes folgend, kamen, wie in jedem Jahr, Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Friedensprojektes zusammen und überlegten, was der Volkstrauertag für sie bedeutet. Die Ergebnisse flossen in einer Rede zusammen, welche auch die wechselvolle Geschichte des diesjährigen Veranstaltungsortes, dem Ehrenmal in Buer, berücksichtigt. Das Ergebnis lesen sie hier:

Überschrift

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Berger Feld.

Und wenn wir heute, am 17.11.2019, dem Volkstrauertag, zu Ihnen sprechen, dann tun wir das an einem besonder-en Ort mit durchaus wechselhafter Geschichte.

Wir befinden uns an einem Ehrenmal, das ursprünglich an die Gefallenen
- des Krieges von 1870/71,
- der Ruhrbesetzung,
- und des Ersten Weltkrieges
erinnern wollte.

Die Initiative für seine Errichtung ging 1925 von der Bueraner Bürgerschaft aus. Sie wurde getragen von örtlichen Schützen- und Kriegervereinen, den Kirchen, der Statdtverwaltung sowie der Bergbauindustrie.
Es wurde für Spenden bei der Bevölkerung geworben, aber so richtig viel ist dabei nicht herumgekommen.
Dass änderte sich erst nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933.
Sie ließen das Denkmal bauen, versahen es mit einem Hakenkreuz sowie mit Inschriften, die diejenigen Menschen ehren sollten, die für die Sache des Nationalsozialismus gestorben waren.

Während des sogenannten "Dritten Reiches“ war das "Ehrenmal" ein wichtiger Ort, an dem in entsprechenden Propagandaveranstaltungen der Kriegs- und Heldentod verherrlicht und zugleich an die Opferbereitschaft der „Volksgenossen“ appelliert wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden alles entfernt, was auf eine nationalsozialistische Vergangenheit hingewiesen hätte. Darüber hinaus wurde nun auch der Opfer des 2. Weltkrieges gedacht.

Das Denkmal wurde, sozusagen, umgewidmet.
Aus einem Ort der Heldenverehrung wurde eine Erinnerungsstätte für die Opfer des Krieges, die uns dazu mahnen, den Frieden zu wahren.

Ist es eigentlich möglich, einen Gedenkort einfach umzuwidmen, sodass wir es uns erlauben können, heute hier zu stehen?

Wir meinen, trotz der problematischen Vergangenheit des Ortes, eindeutig „ja“.

Wir verehren ja nicht die Helden der Kriege, die für Volk und Vaterland in den Krieg gezogen und angeblich mit patriotischen Liedern auf den Lippen den „Heldentod“ gefunden haben.

Wir sind hier, weil wir der Menschen gedenken wollen, die in den Krieg geschickt wurden und dort oft genug auf
elende Weise zugrunde gegangen sind.
Wir sind hier, weil es eben nicht „süß und ehrenhaft“ ist, für das Vaterland zu sterben, wie das Denkmal es ursprünglich darstellen wollte.
Der Krieg ist, ganz im Gegenteil, unbeschreiblich schrecklich.

Und deshalb ist dieser Ort so wichtig.

Er überhöht und verklärt den Krieg nicht mehr, sondern sagt mit ganz schlichten, aber eindringlichen Worten:
„Die Opfer des Krieges mahnen zum Frieden.“
So ist es. „Die Opfer des Krieges mahnen zum Frieden.“

Das wollen wir beachten in unserem Leben, denn so wie man Orte ändern kann, kann man auch Menschen ändern sodass sie aus Schwertern Pflugscharen schmieden. Yes, we can.

Ich stamme ursprünglich aus Syrien, wo ich einen grausamen Bürgerkrieg am eigenen Leib erfahren und erlitten habe. Ich weiß also, was Krieg bedeutet. Und deshalb bin umso dankbarer, in einem Land zu sein, in dem unsere
- Brüder und Schwestern,
- Söhne und Töchter,
- Mütter und Väter,
- die Menschen, die wir lieben,

nicht zu Opfern des Krieges gemacht werden.

Wir sind hier, damit das auch so bleibt.
Und damit das so bleibt, wollen wir in unserem Alltag …
- für die Integration jedes Menschen, egal welcher Herkunft, Hautfarbe oder Religion, einstehen.
- all die in jeder Hinsicht unterstützen, welche jemals mit Krieg in Berührung gekommen sind.
- nicht unserem Mund halten, wenn wir sehen, dass jemandem Unrecht geschieht.
- bedacht mit unseren Sorgen und Ängsten umgehen und unseren Zorn beherrschen, auch wenn er berechtigt sein sollte.
- denen, die wir lieb haben, unsere Zuneigung auch zeigen.

Heute aber wollen wir gemeinsam und in Frieden derer ehrend gedenken, die
- Opfer von Flucht und Vertreibung,
- von Krieg und Gewalt,
- von Verfolgung und Terror
geworden sind und es immer noch werden.


Gedichte:

Jetzt hören Sie ein Gedicht, erst im Original, dann in Übersetzung, welches Sophia und Leonie für das Friedensprojekt „Never Such Innocence“ geschrieben haben
„Never Such Innocence“ ist ein internationaler Wettbewerb, der junge Menschen einlädt, sich mit dem Ersten Weltkrieg auseinanderzusetzen und eigene Gedichte oder Lieder über ihn zu schreiben.

What can we change?

A bird was flying over the battlefield in the midnight light,
heard the screamings of soldiers at night,
She did not understand this kind of war
She just understood the end is far!
  
People who kill each other are made by hate
for forgiveness it´s already too late
Everyone just wants to live a peaceful life
With children, husband or a wife!

The war is obviously kind of strange
Let´s just talk about what we could change
Is there something we can do,
Tell me who I have to speak to.


Was können wir ändern? 
 
Ein Vogel flog übers Schlachtfeld bei Mondlicht,
Ruhe genoss er aufgrund schreiender Soldaten nicht.
Er kann den Krieg nicht verstehen,
Er weiß nur, ein Ende ist nicht abzusehen.
 
Menschen, die andere töten sind von Hass geprägt,
für Vergeben ist es allmählich zu spät.
Ein friedliches Leben ist jedermanns Traum,
Familie gründen und ein Haus zu bauen.
 
Was Krieg zerstört von Menschenhand,
kommt Menschheit niemals zu Verstand?
Frieden stiften find ich toll,
sag mir wen ich fragen soll.


Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag 2018 des Landtags NRW, der Landesregierung NRW, des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., Landesverband NRW

Die Gesamtschule Berger Feld wurde am Anfang des Jahres 2018 eingeladen, sich an den Projekten des Volksbundes zum 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkrieges zu beteiligen. Glücklich über die vielen Projekte, die angeboten wurden, entschied sich ein Teil des Friedensprojektes dafür, die Landesgedenkstunde in Gelsenkirchen auszugestalten.

WAZ vom 12.11.2018

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Gemeinsam mit dem Berufskollegs für Technik und Gestaltung und Herrn Dr. Hellmann, der erfolgreich für die Durchführung der Landesgedenkstunde in Gelsenkirchen geworben hat, sowie Herrn Schmidt vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V und Herrn Dr. Schmidt vom Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen, berieten wir in vielen Treffen über die Ausgestaltung der Gedenkstunde. Frau Jennifer Horstmann und Herr Patrick Hoffmann zeichneten verantwortlich für die Beteiligung der Gesamtschule Berger Feld.  Als DFB-Eliteschule und Kooperationspartner von Schalke 04 wussten beide schnell, dass die, von Frau Petra Stach und ihrem Projektkurs, recherchierte Biographie des ehemaligen Schalker Spielers Franz Kahlke, als Grundlage einer Rede dienen sollte, die durch zwei Biographien von Gelsenkirchenern ergänzt wurden. Paul Mihrmeister und Johann Theodor Paßmann.

Der Projektkurs Geschichte von Herrn Hoffmann erarbeitete gemeinsam mit dem Kurs „Ready to Teach“ unter der Regie von Herrn Thomas Ronge die „Gelsenkirchener Kriegsschicksale“, die als Rede auf der Landesgedenkstunde vorgestellt wurden. Ein weiterer Redeblock veranschaulichte die Motivation der Schülerinnen und Schüler, sich überhaupt mit diesem Thema auseinanderzusetzen, ist der Erste Weltkrieg doch nicht unbedingt etwas, wofür sich junge Menschen eigentlich interessieren. Die erarbeiteten Biographien wurden zur Gestaltung von Roll-ups genutzt, die die „Gelsenkirchener Kriegsschicksale“ in Form einer kleinen Ausstellung abbilden.

Das wachsende Interesse, sowie die große Bereitschaft aller Beteiligter, eine Menge ihrer Freizeit in die Gestaltung der Landesgedenkstunde zu investieren, resultierte in einer gelungenen Veranstaltung am Samstag, den 17.11.2018 in der evangelischen Altstadtkirche im Herzen Gelsenkirchens. Das große Lob von Vertretern der Politik und der Erinnerungsarbeit, sowie das Gefühl an den Herausforderungen gewachsen zu sein, bestärkt alle Beteiligten, sich auch in Zukunft für Erinnerungskultur und Friedensarbeit zu engagieren.


fussball und gedenken

Die Friedensarbeit an der Gesamtschule Berger Feld hat eine langjährige Tradition inne. Bereits seit mehr als 20 Jahren haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich mit der Geschichte der Weltkriege an außerschulischen Lernorten zu befassen. Auf diese Art wird das Geschehene greifbar.


Auch 2018 gab es eine Gruppe von interessierten Schülerinnen und Schülern, die sich auch mit dem Thema Fußball befassten. In internationaler Kooperation und im Rahmen des Projektes „Fußball und Gedenken“ nahmen Fußballerinnen der Oberstufe an einer Fahrt nach Fricourt, Frankreich, teil, um dort an verschiedenen Gedenkveranstaltungen teil, deren Aufmerksamkeit im Ersten Weltkrieg gefallenen ehemaligen Fußballspielern gewidmet wurde. Gemeinsam mit SchülerInnen des Friedrichsgymnasiums Kassel und den Vereinen FC Liverpool, FC Southhampton, Brügge, Hertha BSC und AO Albert verbrachten die Jugendlichen 3 Tage mit Gedenkveranstaltungen auf Friedhöfen, Friedensmärschen und natürlich, mit dem Fußballspielen.


Im Oktober 2018 ging es für 12 SchülerInnen und zwei begleitende Lehrern nach Ypern, Belgien. Auch hier trafen wir auf die Schüler des Friedrichsgymnasiums und die Fußballer aus England, Frankreich und Belgien. Im Vorfeld und in Workshops vor Ort haben wir uns mit verschiedenen Einzelschicksalen befasst, deren Gräber wir vor Ort besuchten und den Gefallenen Grabreden bzw Briefe widmeten. Eine Kleingruppe beschäftigte sich beispielsweise, mit der Biographie Franz Kahlkes. Kahlke, ein Gelsenkirchener, verlor sein Leben mit nur 19 Jahren. Er war Fußballspieler für Westfalia Schalke, dem Urverein des FC Schalke 04. Am Tag vor seinem 100. Todestag besuchten wir sein Grab und legten im Namen und mit Vertretern des FC Schalke 04 einen blau-weißen Kranz nieder. 
Den Abschluss der Belgienfahrt bildete der Besuch des „Christmas Truce Memorials“, das an den Weihnachtsfrieden von 1914 erinnert. Damals traten deutsche und britische Soldaten an Weihnachten aus den Schützengräben, um gemeinsam Fußball zu spielen. Symbolisch reichten wir uns an der selben Stelle die Hände, , an der vor über 100 Jahren junge Soldaten für einen kurzen Moment den Krieg beendeten.

Gut drei Wochen später trafen wir uns alle in Berlin wieder. Zunächst waren wir Gäste beim Freundschaftsspiel der U17 Mannschaften von Hertha BSC und FC Liverpool. Am nächsten Tag arbeiteten wir gemeinsam an Kränzen,. Wir dekorierten sie mit unseren Landes- und Vereinsfarben. Am Abend wurden diese bei einer internationalen Gedenkveranstaltung, mit Landesvertretern aus der ganzen Welt, niedergelegt. 
Das Highlight des ganzen Projektes von „Fußball und Gedenken“ war der Besuch im Bundestag. Um 13:30 Uhr war es endlich soweit. Viele Monate Planung, Arbeit und Hingabe und Wochen intensiver Vorbereitung vieler verschiedener Beteiligten steckten in diesem Tag. An der Gedenkstunde zum Volkstrauertag 2018 durften wir selbst mitwirken und unsere erarbeiteten Briefe und Gedanken vor Politikern wie Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier und dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron, vortragen. Gleichzeitig wurde die Veranstaltung live im Deutschen Fernsehen übertragen.

Es war ein sehr spannendes, interessantes und aufschlussreiches Projekt mit einem gelungenen Abschluss. Durch die intensive Beschäftigung mit einzelnen Personen haben wir eine persönliche Verbindung geschaffen, die uns teilweise sehr berührt hat. Fußball hat wieder Nationen zusammengebracht. 

Wir bedanken uns bei allen, die dieses Projekt unterstützt und ermöglicht haben. Wir hoffen, dass wir durch unser Mitwirken einen Teil zum Frieden beitragen konnten und dass sich auch zukünftig Schüler für ein friedliches Zusammenleben engagieren werden.

Geschrieben von Anna Leonie Rassmann (Schülerin)


BERLIN - GEDENKSTUNDE IM BUNDESTAG

Unsere Schüler gestalteten mit selbst erarbeiteten Beiträgen die Gedenkfeier zum Volkstrauertag im Bundestag in Berlin mit. Weitere Info folgen ...


Never such innocence - london

Einladung der sieger im Buckingham Palace und den Feierlichkeiten in Westminster Abbey 

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NEVER SUCH INNOCENCE - "POETRY AND ART" - WETTBEWERB 2017/2018

Im Rahmen der Friedensarbeit an unserer Schule nahmen wir auch am internationalen Wettbewerb "Never Such Innocence - Poetry and Art" teil. Mehrere Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen reichten ihre Kunstwerke und Gedichte ein.

Heute fand die feierliche Präsentation einiger Beiträge und die Verleihung der Urkunden an die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler statt. Höhepunkt war die Ehrung der Schülerin Alexandra Sliwinska aus der Klasse 6.7. Sie gewinnt mit ihrem Bild in der Kategorie der 11-13-Jährigen und ist nun eingeladen zu den großen offiziellen Veranstaltungen der Jahrhundertfeier zum Ende des Ersten Weltkrieges in London und Berlin. Elmond Halfmann aus der Q1 ist der Sieger in der Kategorie der 14-16-Jährigen mit seinem Projekt Spirits of the Soldiers, einer Origami-Kranich-Skulptur, - auch er reist nach Berlin und London.

WAZ vom 19.09.2018

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Bildergalerie:

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